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IBA-Studie 2017

Die Sicht der Beschäftigten auf ihre Arbeitsplätze

  • Repräsentative Online-Umfrage unter 1.013 Beschäftigten im Bürobereich.
  • Durchführung: Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH.
  • Auftraggeber: Industrieverband Büro und Arbeitswelt e. V. (IBA)
  • Veröffentlichung: Ende Oktober 2017 (Bei den nachfolgend dargestellten Informationen handelt es sich um eine Vorabveröffentlichung.)

Wohlbefinden am Arbeitsplatz

78 % der Befragten sind mit der Ausstattung und Einrichtung ihres Arbeitsplatzes zufrieden. Besonders zufrieden sind die Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Einzelbüros. Gerade diese laufen aber Gefahr, von der Entwicklung der Arbeitswelt abgehängt zu werden. Während insgesamt wenigstens 36 % der Arbeitnehmer angaben, dass ihr Arbeitsumfeld, also der eigene Arbeitsplatz oder die zusätzlich zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten, an die veränderten Anforderungen moderner Büroarbeit angepasst wurden, konnten unter den Inhabern von Einzelbüros nur noch 29 % von entsprechenden Veränderungen berichten.


Dynamischer Wandel der Anforderungen

Unabhängig von der Raumform zeigen die Befragungsergebnisse sowohl grundsätzlichen Nachholbedarf als auch neue Anforderungen hinsichtlich der durch New Work geprägten Büroarbeitsplätze. So gibt nach wie vor fast jeder fünfte Büroarbeitnehmer an, keinen bequemen Bürostuhl zu haben, obwohl dieser für nahezu alle Befragten zu den wichtigen oder sehr wichtigen Wohlfühlfaktoren zählt. Ähnlich hoch ist die Bedeutung angenehmer Temperaturen. Hier sehen sogar knapp 40 % noch deutlichen Verbesserungsbedarf.

Doch auch in den Bereichen, die Kennzeichen der New Work sind, gibt es große Diskrepanzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit. So fehlen bei fast 60 % der Büroarbeitnehmer Rückzugsbereiche für konzentriertes Arbeiten, obwohl diese für vier von fünf Befragten wichtig oder sehr wichtig sind. Ein niedriger Geräuschpegel lässt sich immerhin bei rund 60 % der Büroarbeitsplätze einhalten. Die Zahl kommt allerdings nur zustande, weil viele Arbeitnehmer in Ein- und Zweipersonenbüros arbeiten. Schon ab drei Personen in einem Büro sinkt die Zufriedenheit deutlich ab. Dabei gehört ein niedriger Geräuschpegel für fast alle Beschäftigten zu den unabdingbaren Merkmalen guter Arbeitsplatzgestaltung.

Wichtigkeit verschiedener Faktoren für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz im Vergleich zu den aktuellen Gegebenheiten
Wichtigkeit verschiedener Faktoren für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz im Vergleich zu den aktuellen Gegebenheiten Lupe_grau

Ähnlich sieht es mit ansprechenden Kommunikations- und Pausenbereichen aus – zwei Drittel der Beschäftigten wünschen sich diese, weniger als der Hälfte stehen sie zur Verfügung. Dabei stellt der Wandel der Arbeit gerade hier besonders hohe Anforderungen. Nach Berechnungen des IBA entfallen derzeit 42 % der Arbeitszeit auf kommunikative Tätigkeiten in Form von Netzwerken oder Projekt- und Teamarbeit.


Bevorzugter Einrichtungsstil: praktisch und funktional

Ein weiteres Thema der Studie war, welcher Einrichtungsstil den größten Wohlfühleffekt bietet. Blickt man beispielsweise ins amerikanische Silicon Valley, sind der Kreativität dort fast keine Grenzen gesetzt. Viele Büros der großen Technologieunternehmen zeichnen sich durch eine ausgeprägte Wohlfühl-Atmosphäre aus und erinnern oftmals an WG-Küchen oder Spielzimmer. Die aktuelle forsa-Studie des IBA zeigt demgegenüber, dass fast drei Viertel der Bürobeschäftigten in Deutschland ein eher praktisch und funktional eingerichtetes Arbeitsumfeld bevorzugen. Ein vor allem modernes oder eher gemütliches Ambiente wünschen sich dagegen in erster Linie die unter 35-jährigen Befragten.


Wohlfühlen, Produktivität und Loyalität

Einfluss des Wohlbefindens auf die Produktivität
Einfluss des Wohlbefindens auf die Produktivität Lupe_grau

Bereits 2014 hatte das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) im Rahmen der Studie „Office Settings“ ermittelt, dass es einen starken Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit mit der Büroumgebung und dem Wohlbefinden, der Motivation sowie der Identifikation mit dem Unternehmen gibt. Wie wichtig die Büroqualität auch bei der Personalsuche ist, hatte bereits die IBA-/bso-Studie 2013/14 gezeigt. Für 62 % der Befragten war ein attraktiv ausgestatteter Arbeitsplatz ein wichtiges Auswahlkriterium im Rahmen der Jobsuche. Und auch das Ergebnis der aktuellen IBA-Studie verdeutlicht: Unternehmen, die in die Arbeitsumgebung ihrer Mitarbeiter investieren, können von zufriedeneren und leistungsfähigeren Mitarbeitern profitieren. So sind sich vier von fünf Arbeitnehmern (78 %) sicher, dass das Wohlbefinden am Arbeitsplatz ihre Produktivität direkt beeinflusst, fast alle Übrigen (21 %) halten dies zumindest für möglich.


Verpasste Chance: Mitarbeiterbeteiligung

Noch höhere Zufriedenheitswerte wären vermutlich zu erzielen, wenn mehr Beschäftigte ein Mitspracherecht bei der Gestaltung ihrer Büros hätten. Zwar haben knapp zwei Drittel der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen die Möglichkeit, ihren Arbeitsplatz individuell zu gestalten und zu dekorieren, an der Auswahl von Schreibtischen (24 %) und Bürostühlen (36 %) wird aber nur eine Minderheit beteiligt. Auch bei der technischen Ausstattung ist der Einfluss der Beschäftigten gering (31 %). Hier zeigt sich vielleicht der tiefste Kulturunterschied zwischen deutschen Unternehmen und dem Silicon Valley. Zu den Eindrücken im Rahmen ihrer letzten Besuche dortiger Unternehmen befragt, berichtete die Hamburger Trendexpertin Birgit Gebhardt in einem Interview mit dem IBA von Automaten, aus denen sich die Beschäftigten bei Bedarf neue Laptops, Tastaturen und andere IT-Ausstattungen ziehen können. Ihr Eindruck, dass diesbezüglich in deutschen Unternehmen noch eher Zuteilung vorherrscht, wird durch die jetzt vorliegenden Befragungsergebnisse gestützt. Fast gänzlich dem Einfluss der Beschäftigten entzogen, scheint hierzulande auch die Gestaltung von Pausen- und Besprechungsbereichen zu sein. Zu diesen berichteten nur 15 % beziehungsweise 16 % von einem Mitspracherecht.


Fazit

Insgesamt ziehen die Experten des IBA ein positives Fazit aus den Befragungsergebnissen. Ein bisschen mehr Mut zu neuen Wegen bei der Arbeitsplatzgestaltung und mehr Dynamik bei der Umsetzung wäre aus Sicht der Studienmacher aber durchaus angebracht.


Die Gesamtstudie steht unter IBA-Publikationen als PDF zur Verfügung.