Kreativität
Wissensarbeit

Das „neue” Gesicht der Büroarbeit

Gut 40 % der Beschäftigten in Deutschland zählen zu den sogenannten Wissensarbeitern. Ihre Tätigkeiten sind häufig mit einem engen Austausch mit Kunden und Projektpartnern verbunden. Kreativität, Teamarbeit und die Pflege von Netzwerken prägen ihren Arbeitsalltag.


Vernetzung und direkte Kommunikation

Soziale Medien haben den Kontakt zwischen Unternehmen / Marken und ihren Kunden verändert. Neben die traditionellen Kommunikationskanäle ist der direkte Austausch über (Video-)Chat und (Micro-)Blogs getreten. Das ermöglicht Unternehmen eine direkte Reaktion auf die Wünsche ihrer Kunden. Von den Beschäftigten erfordert der direkte Kundenkontakt die Fähigkeit, die geäußerten Wünsche schnell zu erfassen und weitgehend eigenständig oder im Austausch mit Kollegen die jeweils beste Lösung zu finden.

Beschreibung fehlt
Beschreibung fehlt

aller Unternehmen ab 20 Beschäftigten nutzen Soziale Medien, um mit ihren Kunden zu kommunizieren.

Quelle: Bitkom, 2015


Maßkonfektion und smarte Produkte

Ein weiterer Treiber des Wandels sind neue Produktionstechnologien. Neue Werkstoffe, eine flexible Fertigungssteuerung und Technologien wie der 3D-Druck machen es möglich, Produkte auf einzelne Nutzer zuzuschneiden. Gleichzeitig wachsen traditionelle Produkte und Kommunikationstechnologie zusammen. Augenfälligstes Beispiel sind die vielfältigen Assistenzsysteme, die längst Teil jedes Automobils geworden sind. Aber auch in anderen Bereichen ist das Verschmelzen der beiden Welten zu beobachten. So haben zum Beispiel die Nutzer moderner Sitz-Steh-Arbeitstische die Möglichkeit, sich von ihrem Schreibtisch daran erinnern zu lassen, dass es Zeit wäre, mal wieder aufzustehen.

Von der Entwicklung bis hin zum Vertrieb und dem nachfolgenden Kundenservice erfordern derart komplexe Produkte die Zusammenarbeit von Fachkräften unterschiedlichster Wissensbereiche.


Beispiele kreativitätsförderlicher Arbeitsumgebungen, gezeigt im Rahmen der ORGATEC 2016:

König + Neurath <br><i>(Bildquelle: Koelnmesse)</i>
König + Neurath
(Bildquelle: Koelnmesse) Lupe_grau
Interstuhl <br><i>(Bildquelle: Koelnmesse)</i>
Interstuhl
(Bildquelle: Koelnmesse) Lupe_grau
Sedus <br><i>(Bildquelle: Koelnmesse)</i>
Sedus
(Bildquelle: Koelnmesse) Lupe_grau

Kreativität fördern

Keine der beschriebenen Ausprägungen der Wissensarbeit wäre ohne Kreativität möglich. Damit stellt sich die Frage, wie diese gefördert werden kann.

Prof. Dr. Jürgen Glaser und Dr. Britta Herbig haben sich während ihrer gemeinsamen Forschungstätigkeit an der Technischen Universität München intensiv mit dieser Frage beschäftigt. In der IBA-/buero-forum-Fachschrift Nr. 10 – Kreativität und Gesundheit beschreiben sie Anforderungen an die Arbeitsgestaltung:

  • zeitliche und räumliche Autonomie der Arbeitnehmer
  • Anforderungsvielfalt
  • Kreative Anforderungen (das Wissen, dass Kreativität gewünscht ist)
  • Anforderungsvielfalt und Sinnhaftigkeit der Aufgaben
  • Ganzheitlichkeit der Arbeitsaufgaben
  • Vertrauen der Führungskräfte in die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter

Als wichtigen unterstützenden Faktor benennen Glaser und Herbig die Raumgestaltung.


In der ersten New Work Order-Studie nimmt die Trendexpertin Birgit Gebhardt diesen Faden auf und empfiehlt, unterschiedliche Arbeitsbereiche einzurichtet, zwischen denen die Beschäftigten frei wählen können. Ähnlich sieht das auch die beiden Experten für Arbeitsorganisation und Arbeitsplatzgestaltung Dr. Stefan Rief und Rosan Bosch:

micro zitatbox

Der Beitrag des physischen Raums [zur Förderung von Kreativität, Anmerkung der Redaktion], inklusive neuer digitaler Elemente, ist deutlich höher einzuschätzen, als man bisher glaubte. Unsere empirische Untersuchung „Office 21 Analytics“ unter mehreren tausend Teilnehmern bestätigt, dass man durch eine Vielfalt an frequentierten Orten eine höhere Ideenkraft entwickelt. Darüber hinaus hat man herausgefunden, dass auch die Nutzung unterschiedlicher Arbeitsorte innerhalb eines Bürogebäudes die Ideenentstehung positiv beeinflusst.

Stefan Rief, Leiter Competence Center Workspace Innovation Fraunhofer IAO, Stuttgart, entnommen aus „New Work Order – Kreative Lernwelten”, Wiesbaden, 2016


micro zitatbox

Wir können natürlich keine Räume bauen, die Unkreative plötzlich kreativ werden lassen, aber immerhin Räume, die kreatives Arbeiten unterstützen.

Rosan Bosch, Designerin und Geschäftsführerin Rosan Bosch Studio, Kopenhagen, entnommen aus „New Work Order – Kreative Lernwelten”, Wiesbaden, 2016